Was bedeutet uns bio?

Agora Vino vertreibt zum Großteil Weine von Winzern, die entweder biodynamisch oder biologisch arbeiten oder auf dem Weg dahin sind. So weit, so bekannt. Vielleicht noch etwas neu ist die Tatsache, dass Agora Vino als Händler nun ebenfalls bio-zertifiziert ist, mit allen Rechten und Pflichten, die dazugehören, nicht viel anders als bei den Regeln, die auch die Winzer befolgen und erfüllen müssen. Wobei wir natürlich keinen Wein anbauen, das überlassen wir den Profis.

Jetzt stellen uns viele Leute gar nicht selten Fragen wie: „Was heißt das überhaupt, bio zu sein?“, „Ist bio geschützt?“, „Was bringt das eigentlich?“ oder „Wieso soll das besser sein als „normale“ Weine?“. Und wir stellen uns diese Fragen auch immer wieder, vielleicht abgesehen von der zweiten Frage, denn ja, bio ist gesetzlich geschützt. Aber was bringt das eigentlich? Man kann dieses Pferd von vielen Seiten aufzäumen. (Man kann es auch zu Tode reiten, aber das wollen wir auf keinen Fall).

Zum einen ist es die Philosophie hinter den Menschen und ihrem Tun – und somit ihren Produkten. Diese Philosophie verstehen wir „einfach“ als ein Arbeitsethos, wonach nicht nur das fertige Produkt (und dessen Preis) zählt, was ja in unserer Massen-Welt leider schon hingenommene Realität ist. Stichwort: ein Kilo Fleisch um € 1,99. ES geht nicht nur um das Was, sondern vor allem um das Wie. Das Warum erklärt sich dann von selbst. So bemühen sich die biodynamisch wirtschaftenden Betriebe zum Beispiel um möglichst geschlossene Kreisläufe aus Landwirtschaft und Weinbau, sie versuchen, ihre Ressourcen nicht nur zu verwenden, sondern auch wiederzuverwenden und dazu gehört Mensch, Tier und Traube gleichermaßen.

Es stimmt schon: viele Konsumenten verbinden die Begriffe biologisch oder biodynamisch immer noch mit Holzpantoffelromantik und Batik-T-Shirts-Gehabe, aber solche Ansichten können uns nicht wirklich reizen. Weinbauern, das muss man sich schon vor Augen führen, sind im Normalfall keine abgehobenen Seitenblicke-Stars, sondern ziemlich geerdete Leute, Bauern im wahrsten und schönsten Sinne des Wortes. Glaubt ihr tatsächlich, dass sich ein Bauer eine irrsinnige Menge Zusatzarbeit antut, nur um mit dem Zeitgeist zu gehen oder als PR-Gag? Diese Leute tun das, um ihre Erzeugnisse zu optimieren, um es technokratisch zu sagen, sie tun es, um dem Wein noch mehr Authentizität und ja, Güte, herauszukitzeln. Würden wir Weinromantiker so sagen. Mit Verlaub, aber wenn so große Betriebe wie Heinrich (biodynamisch) oder künftig Bründlmayer (bio) diesen Weg gehen, dann könnt ihr Gift darauf nehmen – gut, Gift ist jetzt nicht das passendste Wort –, dass die es ernst meinen. Spielen tut man auf diesem Level nimmer.

Wir leben natürlich in etwas unlustigen Zeiten, um es gelinde auszudrücken, die Umstände in nah und fern sind hinlänglich bekannt. Wirklich unlustig sind auch die immer heftigeren Wetterkapriolen und wer den Klimawandel noch immer abstreiten möchte, der soll mal ein kurzes Wörtchen mit so einem Winzer/Bauern reden. So schnell wird man Vorurteile los, garantiert. Ein großes Problem für biologisch arbeitende Betriebe sind dann folglich auch so Jahrgänge wie 2016 mit ihrem warm-heiß-feucht-frostig, denn sie erfordern viel mehr Einsätze im Weingarten und vermiesen die CO2-Bilanz, machen häufigere Spritzungen notwendig und sorry, Leute, ohne Kupfer geht es leider auch nicht, außer wir trinken halt keinen Wein mehr. Da „hilft“ es nur noch, mit ein wenig Radius und Blick nach hinten zu reflektieren und uns einzugestehen, dass unsere schonungslosen Sauereien, die wir seit Jahrzehnten mit der Welt anstellen, sich eben niederschlagen, irgendwann und überall.

Wir finden, dass „Bio“ ein guter Weg in die Zukunft ist. In der Besinnung auf das, was wir brauchen und in der Verantwortung unserer Umwelt gegenüber. Wir finden, dass es nicht egal ist, was wir konsumieren, woher es kommt und wie es „gemacht“ wurde. Und wir finden ganz ehrlich auch, dass man das schmeckt. Man muss sich nur ein wenig an der Nase nehmen, den einen oder anderen Euro mehr ausgeben und damit gleich doppelt Gutes tun: für unsere Gaumen und die Welt, in der wir leben.