Süßes geht immer – Pippilotta Blumenthal

Eine Meinung zu beinahe allem, bissiger Humor und schonungslose Ehrlichkeit. Please welcome Frau Pippilotta Blumenthal – exzentrische Meinungsträgerin, die uns an dieser Stelle an ihren Ansichten zur Welt teilhaben lässt. Den passenden Wein gibt’s immer mitgeliefert – schließlich pipperlt Pippilotta nicht nur gerne, sie versteht Wein auf ganz besondere Art und Weise!

Der Wein und die Wahrheit

Die Wahrheit ist ein kontroverses Konzept. Es gibt die eine Gruppe, die behauptet, dass es diese eine Wahrheit gar nicht gibt. Es sind nur Meinungen, Geschmäcker, Standpunkte oder Gefallen. Stimmt nicht, behauptet heute Pippilotta Blumenthal.

Grundsätzlich gefällt mir die Idee, dass es eine objektive Wahrheit gibt. Zum Beispiel möchte ich einfach nicht akzeptieren, dass Menschen manche Weine gut finden. Weine, deren Beschreibung schon so schlecht ist, dass man hinterher seine Chronik löscht, weil man sich so schmutzig fühlt, als hätte man einen Porno von Paris Hilton geschaut. Weine, deren Geruch so widerlich ist, dass man ihn nicht einmal als Ersatz für Essigreiniger im Badezimmer verwenden würde. Trotzdem wird er getrunken.

Aber wie finden wir die Wahrheit? Alter und Erfahrung als Argument zu verwenden, ist schon mal das Dümmste, was man tun kann. Wenn jemand sagt, er hat seit 35 Jahren jeden Tag eine Flasche S-BUDGET Weißwein getrunken, dann ist mein erster Gedanke nicht: „Na gut, du wirst es schon besser wissen, weil du ja alt bist.“ Sondern nein, ich würde sagen: „Fuck, hör auf damit. Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein! Und ich hasse mich dafür, diesen ausgeleierten Satz tatsächlich sagen zu müssen! Aber was soll’s.“

Man kann die Realität natürlich ganz verweigern. Ein schönes Schlagwort, das durch Donald Trumps Kampagnen-Managerin Kellyanne Conway geprägt wurde, ist „alternative Fakten“. Dass das völliger Schwachsinn ist, weiß glaube ich jeder. Und wer es nicht weiß, soll Cola Rot trinken.

Der Vorteil von Fakten ist, dass sie überprüfbar sind. Wenn man bei einem S-BUDGET Weißwein liest: „In der Nase zart fruchtige Aromen; Honigtöne; fruchtbetont mit blumigen Noten.“ Dann weiß man nach dem ersten Schluck: Fake News!

Die Frage ist doch, weshalb spricht man miteinander, wenn man nicht versucht, der Wahrheit gemeinsam näher zu kommen? Wir reden miteinander um ein Ergebnis zu erzielen um der Wahrheit näher zu kommen. Und wenn wir zu keinem Ergebnis kommen wollen, dann ist unser Gespräch nichts anderes als verbale Masturbation. Und gemeinsame Masturbation führt zu nichts anderem als Verwirrung. Was bei einem Gespräch idealerweise passiert, ist doch nicht, dass wir uns in der Mitte beider Meinungen treffen, dass wir zu einem Kompromiss kommen, sondern zusammen Wahrheitsfindung betreiben. Ein gutes Gespräch ist kein Cuvee aus Rot- und Weißwein, sondern eher wie der AOC Menetou Salon Blanc Remoorte 2017: offenherzig und frisch.

Warum also versuchen, den Cuvee aus Rot- und Weißwein herzustellen und sich dann vorlügen, dass man einen Schritt weitergekommen sei. Wahrheit zu finden ist irrsinnig schwierig. Deshalb geben sich die meisten Menschen mit Meinungen zufrieden. Aber wer aufhört die Wahrheit zu suchen, trinkt sein ganzes Leben lang nur Cuvee aus Rot- und Weißwein. Lass uns reden – nicht über Wein, sondern zu Wein.

Hochachtungsvoll, Ihre Pippilotta Blumenthal