Oltretorrente und der Timorasso

Paderna calling! Die Italien-Weintour geht weiter, knapp 4 Stunden Fahrzeit von der Toskana ins Piemont, zu Oltretorrente. Und auch wenns der Wettergott nicht so gut mit uns gemeint hat, die Gegend macht trotz Regen eine gute Figur.

 

Wenn man an Mailand denkt, hat man eine hippe Metropole im Kopf, in der sich viel um Mode und alles um den guten Geschmack dreht. Wenn Chiara und Michele an Mailand denken, dann „nix wie raus hier“. Und vor 8 Jahren haben sie dann auch den Schritt gewagt. Raus aus der Stadt, raus aufs Land und Wein machen. Der Leidenschaft folgen.

Der erste Keller – einbetonierte Tanks

Zuvor haben sie auf verschiedensten, teils konventionellen, Weingütern gearbeitet, Wein gemacht. Aber das war den beiden bald zu wenig. Sie wollten „das ganze Paket“, nicht nur die abgeernteten Trauben zu Wein veredeln. Vom Setzen der Weinreben bis zum Etikettieren, bis zum Verkauf, wollten sie es selbst machen. Und sie wollten es Bio. Sie wollten verarbeiten, was ihnen die Natur gibt.

Zu Beginn war es hart, Chiara kann sich noch bestens erinnern. Als wir mit ihr in ihrem ersten Weinkeller stehen – damals durften sie zur Miete hier ihren Wein machen – fängt sie zu lachen an: „You see how we started. It looked horrible, when we came here. It was a lot of work – everything was a lot of work“.

Aber die viele Arbeit hat sich gelohnt. Zum ersten kleinen Keller ist ein zweiter dazu gekommen und eine kleine Halle für Abfüllung, Etikettierung und Lagerung gibt’s mittlerweile auch. Und die Gärten? Von 1,5 ha auf mittlerweile 8 ha haben sie ihre Bestand ausgeweitet. Teilweise sind die Reben um die 100 Jahre alt, Chiara und Michele besitzen also kleine Schätze Mitten im Piemont .Im Keller stecken sie dann ihre ganze Leidenschaft, ihr ganzes Wissen, in den Wein. Dass man das alles dann auch schmeckt, brauchen wir hier nicht extra zu erwähnen?

Besonders der Timorasso, eine autochtone Weißweinsorte, die zwar für das Piemont typisch ist, dort aber auch nur noch selten vorkommt, hat es uns angetan. Sie ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt und noch bis ins 19. Jahrhundert angebaut worden, danach hat man sie nach und nach für andere, fruchtbarere Sorten aufgegeben. Aber zum Glück nicht ganz!

Am Weingut Oltretorrente versteht man es, den Timorasso zum WOW-Erlebnis zu machen. Aber ganz klar: auch die anderen Weine der beiden „Eigentlich-Mailänder“ stehen ausgezeichnet da und können sich nicht nur sehen, sondern vor allem auch trinken lassen.