Die coole Wachau

Die Wachauer sind schon ein eigenes Völkchen… Selbstbewusst, energisch und lässig zugleich. Ein bissl pauschal, die Behauptung. Aber auf Erich trifft sie zu.

Weltberühmt. Ja, das ist die Wachau, als Landschaft und als Weinregion, ein Aushängeschild sozusagen, als „natürlich kenn ich die Wachau!“-Ausruf. Marillen, Dürnstein, Löwenherz und die Terassen. Berühmte Orte, bekannte Lagen, Winzer mit Weltruf. Uns war die Wachau manchmal ein wenig zu berühmt, müssen wir gestehen. All diese superkräftigen Smaragde, die die Weinkarten der Restaurants bevölkern, zuweilen überfluten. Wir wollen niemandem das Recht absprechen, zu trinken, was sie oder er mag, aber wir haben halt auch unsere eigenen Vorlieben und die sind uns wichtig.

Wir lieben bio, wir finden nachhaltig und respektvoll super und auch aus diesem Grund tun wir uns nicht leicht mit der Wachau. Bio ist in der Wachau nicht einfach, die Böden sind karg, die Arbeit in den steilen Weingärten extrem mühsam und überhaupt. Dann gibt es aber die paar Leute, die es trotzdem versuchen. Es dauert, aber es wird. So wie bei Erich Machherndl und seiner Familie aus dem westlichen Wösendorf.

Erich ist einer jener Querköpfe, die nach gänzlich anderen Tätigkeiten (Medizintechniker) dann doch irgendwann wieder eingestiegen sind ins elterliche Weingut. Quereingestiegen irgendwie und gleich mit dem Anspruch, das Ganze nach ihrem Willen zu machen. Da müssen aber alle mitspielen, die Jungen machen lassen, dann wird das was, dann wird das auch mit uns was. Erich und Karin (und der Nachwuchs und die Altvorderen eh auch) machen also, was sie wollen. Sie stellen den Betrieb derzeit auf bio um, weil sie an die unverfälschte Wachau glauben, an Biodiversität, an Weine ohne Chemie oder auch an Bienen – ihre Bienenpatenkinder umschwirren seit einiger Zeit ihre Rebstöcke und produzieren wunderbaren Honig, eh klar.

Wie und was keltern die Machherndls Gutes? Nun, einerseits wollen sie die Tradition nicht über Bord werfen, sondern beleben. Mit Weinen, die zum Beispiel viel mit der Maische in Kontakt kommen, denn so kommt Ausdruck und Persönlichkeit in den Wein. Bei manchen (Pinot Gris) kommt auch die Maischegärung zum Zuge, „orange“ würde der Hipster sagen, wenn er nicht wüsste, dass Grauburgunder schon fast rot ist, wenn er so gemacht wird. Gut? Sowieso! Für den Zweifler gibt es auch Smaragde, aber es sind Grüne Veltliner und Rieslinge (Chardonnay, Grauburgunder gibt’s auch), die einen nicht erschlagen, sondern zum Weitertrinken verführen. Denn das ist der Grund, warum wir Wein kaufen. Zum Trinken, nicht zum Angeben.

Apropos trinken. Wer sich traut, besuche die Machherndls in ihrem schönen Domizil. Der Erich packt dann eine Batterie an Weinen und Jahrgängen aus, dass es einem die Schweißperlen auf die Stirne treibt. Aber ist ja wurst, ein bisschen leben schadet nicht! Prost, Wachau!